Seit dem 12. November 1912...

… gibt es einen Wassersportverein in Geisenheim, den Rheingauer Ruderverein Geisenheim. Die Gründungsväter waren neun Herren aus dem Bürgertum. Im Hotel “Deutsches Haus” in der Uferstraße findet der Verein eine erste Unterkunft für seine Boote.  Die sportlichen Aktivitäten werden bald durch den 1.Weltkrieg unterbrochen und können erst 1921 wieder aufgenommen werden. In den folgenden Jahren finden immer mehr Geisenheimer Interesse am Rudern, so dass sich die Mitgliederzahl innerhalb von drei Jahren verdoppelt. Die Fastnachtsveranstaltungen des Rheingauer Rudervereins sind in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine der großen gesellschaftlichen Veranstaltungen in Geisenheim. 

Ab 1925 plant der Verein unter dem Vorsitzenden Hans Klein, ein eigenes Bootshaus am Rheinufer oberhalb der heutigen Kiesverladestelle zu errichten. Jedes Mitglied muss mindestens drei unverzinsliche Anteilscheine im Nennwert von 50 Mark zur Aufbringung des erforderlichen Kapitals erwerben. Bedingt durch die Wirtschaftskrise müssen dann kleinere Brötchen gebacken werden. 1930 kann eine Wehrmachtsbaracke in der Bleichstraße als erstes eigenes Bootshaus bezogen werden. 

In den Jahren 1936-1938 kann drei Mal in Folge der Herausforderungspreis des Oberpräsidenten der Rheinprovinz im Ersten Jugend-Vierer mit Stm. auf der Mittelrheinischen Regatta in Koblenz gewonnen werden. Die Mitgliederzahlen in den Zeiten der flächendeckenden Gleichschaltung des Vereinslebens durch den Nationalsozialismus sind rückläufig. Dem gewählten “Vereinsführer” wird 1936 die Bestätigung durch den Kreisführer Sturmhauptführer Kötschau des Deutschen Reichsbunds für Leibesübungen versagt.

Ende 1938 kann der Vereinssport durch die Staatliche Oberschule für Jungen in Geisenheim gesichert werden. Die Schule kauft vom Verein das Bootshaus und die Boote, die den Vereinsmitgliedern aber weiterhin zur Verfügung stehen. Schul- und Vereinssport sind in einer Hand – der des neuen 1. Vorsitzenden Seppel Berz – bis zu seiner Einberufung im Herbst 1943. Dann wird es dunkel in der Chronik…

Der 2.Weltkrieg lässt den Verein in eine tiefe Krise stürzen. Das Bootshaus wird als Flüchtlingsunterkunft genutzt, und das Bootsmaterial ist im Chaos der Besatzungszeit verschwunden.

Erst 1951 wagen ehemalige und neue Ruderfreunde einen Neubeginn. Der neue “Wassersportverein Geisenheim 1912 e.V.” wird gegründet.

1954 wird ein neues Bootshaus gebaut. Allerdings wird die Finanzlast des Neubaus so groß, dass die geplanten Vereinsräume zur Gastwirtschaft umfunktioniert werden (müssen). Heute kann man sagen zum Glück, weil es sonst nicht das schön gelegene Lokal am Rhein geben würde.

Mit der Neugründung erhält der Verein durch die Gründung der Kanuabteilung eine positive sportliche Ausweitung.

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Das Bootshaus 1951
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Vierermannschaft vor dem Bootshaus

In den 70er Jahren erringt Peter Becker für den Verein nationale und internationale leistungssportliche Erfolge. Mit dem 5. Platz bei den olympischen Sommerspielen in Montreal mit seinem Doppelzweierpartner Kroschewski setzt Peter den sportlichen Höhepunkt und gleichzeitig das Ende seiner Karriere.

1987 feiert der Verein sein 75-jähriges Bestehen mit einem Festakt und einer Breitensportregatta für die benachbarten Vereine.

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Gigvierer m. Stm. vor dem Steg

Ende der 80er Jahre bis zur Olympiade 2000 in Sydney ist Bernhard Rühling national und international im Leistungssport aktiv, allerdings seit einigen Jahren für andere Vereine startend. Neben dem 4. Platz mit Ingo Euler im Lgw.-Doppelzweier in Sydney erringt er in seiner Karriere mehrere zweite und dritte Platzierungen bei Weltmeisterschaften und sichert sich mit Ingo Euler zusammen 1997-99 den Gesamtwelt-Cup.

Im August 2002 weiht der Verein nach relativ langer Bauzeit und mit viel Engagement einiger Mitglieder ein neues Vereinshaus hinter dem Bootshaus ein und erhält somit die seit den 50er Jahren fehlenden Vereinsräume.

Im Jahr 2000 fährt Eva Hoffmann erste Regatten für den Wassersportverein. Zwei Jahre später wird sie für den Ingelheimer Ruderverein und den Mainzer Ruder-Verein startend dreifache Deutsche Meisterin bei den Juniorinnen im Einer und Doppelvierer.

2004 lädt der WSV Geisenheim erstmalig die umliegenden Vereine zur Eierfahrt ein. Etwa 150 – 200 Ruderer sind zu Gast bei Glühwein, Brezeln und hartgekochten Eiern. Weitere Breitensportveranstaltungen sind die ?Winterspiele 2004 und 2006?, Turniere in Basketball, Hockey und Badminton.

2006 geht die Homepage online, der WSV ist von nun an auch im Web vertreten. 2008 wird die Homepage überarbeitet und auf ein Content-Management-System umgestellt.

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Saisonstart des WSV 2011

Ein weiteres Talent fährt in diesem Jahrzehnt die ersten Regatten. 2005 zunächst mit ihrer Doppelzweier-Partnerin Daniela Schwarz und in den beiden Folgejahren als B-Juniorin dann auch im Einer sammelt Lea-Katlen Kühne ihre ersten Regattaerfahrungen. Das Interesse ist geweckt und so geht Ihr Weg über den RV Ingelheim zum Mainzer RV, wo Lea 2010 auf der U23-WM Bronze im Riemenvierer holt und ein Jahr später in der gleichen Bootsklasse U23-Weltmeisterin in Amsterdam wird.

2008 ist ein Jahr, welches Vereinsmitglied Uli Kau nicht so schnell vergessen wird: Seit 2006 leitender  Verbandsarzt des Deutschen Ruderverbandes betreut er die deutschen Ruderer bei den olympischen Spielen in Peking. Aber ein Virus sorgt für viele Ausfälle im deutschen Team und macht einige Medaillenhoffnungen zunichte.

In der Abteilung ‘Kanu’, die erst 1951 bei der Neugründung des Vereins eröffnet wurde, hat sich in den letzten Jahren viel getan. Abgesehen von der Kooperation mit der Rheingauschule und dem Wildwassertraining im Winter im Rheingaubad finden während der Sommersaison außer den wöchentlichen Trainingsterminen auch  mehrere Wanderfahrten statt. Die Ausrichtung der Trainingstermine konzentriert sich nicht nur auf Jugendliche, sondern verstärkt werden Erwachsene an den Kanusport herangeführt.

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